Mein lieber MTB-Club,
heute, am 6. Juli, ist dein Geburtstag - dein fünfunddreißigster.
Herzlichen Glückwunsch!
Bei einem Menschen würde man sagen, er stünde mitten im Leben und voll im Saft. Das stimmt auch bei dir.
Weißt du noch? Deine Geburtsstunde lag auf einem Renntag, einem affenheißen, im Odenwald. Der Bauer, zu dessen Wiesen die Zugangswege Teil der Rennstrecke waren, holte vorsichtig, wie er war, denn man wusste seinerzeit ja nicht, ob schnell vorbeifahrende Mountainbikes die Milch sauer werden lassen, seine Kühe kurz vor dem Start in den Stall. Dass sie dabei wesentliche Teile der Rennstrecke flächendeckend mit Fladen pflasterten, gab dem Wettkampf überaus interessante Gesichtspunkte und einen kräftigen Kontrast zu den damals üblichen Farben der frühen Neunziger:
Lila Lycras waren der letzte Schrei. Und neongelbe Trikots - wer nicht bodenständig im lässigen Baumwoll-T-Shirt fuhr.
Abends dann im noch sichtlich mitgenommenen Zustand auf der Terasse des späteren 1. Vorsitzenden bei der Beratung dessen, was er als
Gründungsprotokoll und Satzung vom Sportbund mitgebracht hatte. Keiner hatte Ahnung davon, aber Durst vom Rennen. Und alle 7 Anwesenden unterschrieben. Jeder hatte jetzt einen Job in einem eben neu gegründeten Verein - wie verrückt ist das denn? - und erfüllte diesen mit - ja, was nun, Plan womöglich? - zumindest mit Enthusiasmus. Sollte das wirklich unser neuer Sport werden?
Es sollte. - Es wurde ein Renner! Regelmäßige Biketreffs am Samstag an der Hedwigsquelle mit Fahrten ins Albtal und Gegenden, wo zuvor noch keiner war. Hoffnungsvolle Teilnahmen an den zahlreichen, gleichermaßen von Gründergeist, Neugierde, Aufbruchstimmung und Hemdsärmeligkeit getragenen Feld-, Wald- und Wiesenrennen in erreichbarer Distanz. Dazu eine Jugendfreizeit im Murgtal. Schrauberworkshops. Und am erstmals im Oktober begangenen Tag der Deutschen Einheit die als öffentliche Veranstaltung ausgeschriebene "Mahlbergtour", startend am Ettlinger Freibad mit behördlich auferlegter Schiebepassage von 300 Metern Länge auf Gaggenauer Gemarkung. Das war alles dermaßen neu und faszinierend zugleich, dass du Ende 1991 70 begeisterte Mitglieder hattest!
Kannst du dich noch an die Fahrräder erinnern?
Fast alles war aus Stahl - Rahmen, Vorbau, Lenker. Und vielleicht ein bisschen violett eloxiertesmmAlu auf den Lenkerhörnchen. Die Reifen waren keine 2 Zoll breit und die einzige verfügbare Art von Federung. Die Cantilever-Bremsen vermochten, bergauf recht veritable Wirkung zu entfalten. Die Schmerzen in den Händen nach sechsstündigen Samstagstouren über die Teufelsmühle schafften es nicht, das Glückseligkeit verheißende Lächeln im Gesicht zu verhindern.
Was hat sich nicht alles seither getan?
Kohlefaser, Federweg und außerirdische Preisschilder im Fahrradgeschäft. Der Geist ist trotz allen Wandels derselbe geblieben: Raus mit dem Rad, Freude am gemeinsam erlebten Radfahren. An zentimetermeterweise eingesaugten Single-Trails, erkämpften Höhenmetern, am Naturerlebnis, Brombeer-Tattoos in der Armbeuge, gelungenen Sprüngen, mit letzter Kraft erbrachten Burpees in der Halle, am anstichelnden Duft von Sixtus-Öl am Renntag, am inspirierenden Miteinander bei Freizeiten, Grill-Abenden, Trailbau und Stammtischen.
Heute präsentierst du dich als einer der großen Radsportvereine in Deutschland mit fast 1000 Mitgliedern - einer diese radfahrerische Vielfalt beherbergenden Basis. Du hast es geschafft, dir ein Vereingelände zu erarbeiten, du betreibst die inzwischen dritte MTB-Strecke im öffentlichen Raum, und du hast der Stadt Ettlingen einen Pumptrack und mit der Maibike ihre größte Sportveranstaltung beschert.
Nachwuchsförderung mit der Bikeschule, Jugendfreizeiten, Touren, Dirt-Jump-Sessions, Ausbildungs- und Trainingsangebote, Rennteilnahmen sowie der Betrieb der öffentlichen MTB-Strecken machen dich aus der Sicht von innen wie von außen zu einer attraktiven Partie!
Alles Gute dir und ein langes Leben!
Bleib gesund und munter. Felgen- und Speichenbruch. Und immer Kette rechts...
... wünscht dir von Herzen einer deiner Gründungs-Papas, erster Jugendleiter und heute 1. Vorsitzender
Holger